Frische Letter (23): Montaigne

Es gibt diese Bücheranschaffungen, wie man sie nur einmal im Jahr macht – und meine letzte Anschaffung dieser Art ist auch schon wieder zwei Jahre her. Zufälligerweise habe ich gesehen, dass letzten Monat die Sonderausgabe von Montaignes Essais in der vollständigen Neuübersetzung von Hans Stilett neu herausgekommen ist. Da ich mich sowieso schon länger nach einer Ausgabe der Essais umgeschaut habe, passte das ganz gut. Wer also auf einer ähnlichen Suche ist, hier könnte sie zu Ende sein.

Montaigne

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Bücher aus der zweiten Reihe (6): Der Mythos des Sisyphos

Existential Threat

 

Zugegeben, der Mythos des Sisyphos von Camus ist nun kein Buch, dem wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde. Zusammen mit dem Roman Der Fremde und dem Theaterstück Caligula ist der Essay Teil der Trilogie des Absurden, von der Sartre sagte, dass der Mythos die Erklärung zu dem Roman sei. Und dennoch hängt dem Mythos heute ein wenig Mottengeruch an: Ist er denn in der Postmoderne überhaupt noch relevant? Sind nicht Erklärungsmuster für unsere Existenz in der postdemokratischen Konsumgesellschaft zutreffender, die die Fragmentiertheit  des Einzelnen und das Verschwinden des Individuums hinter den Konsumenten analysieren? Doch gerade wenn das so ist, können Theorien und Erklärungsansätze aus einer Zeit vor der völligen Beliebigkeit uns helfen zu erklären, wie es so weit kommen konnte. Zugestanden, dieser Gedankengang ist nicht besonders optimistisch, denn wäre ein solches Vorgehen nicht sinnlos angesichts der Diagnose, dass wir diesen point of no return schon überschritten hätten? Und genau dieser Gedankengang beschreibt schon sehr gut das eigentliche Anliegen des Mythos: Das Aufzeigen des Absurden, in dem wir gefangen sind. Und, wie man aus diesen kurzen Überlegungen sieht, sind Gedankengänge, die am Mythos geschult sind, durchaus noch aktuell.

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Notiz zu Hesses Morgenlandfahrt

Ah, Hesse! Wer ihn in seiner Jugend nicht gelesen hat, dem fehlt ein gewisses Feuer, eine gewisse Glut, von der man ein Leben lang zehren kann. Liest man dann später andere Texte von ihm, dann erkennt man direkt in der Sprache, in den Sätzen und zwischen den Zeilen diese Glut von früher wieder, die einen an die eigene Jugend, an die eigenen Ideale und die eigenen Emotionen erinnern, die doch letztlich einen zu dem gemacht haben, der man heute ist. Vermutlich ist das eine Besonderheit bei Hesse, denn bei keinem anderen Autor geht es mir so. Der Steppenwolf ist schon Jahrzehnte her, ebenso Siddhartha und Narziß und Goldmund, und ich könnte keinen Satz mehr rekapitulieren, höchstens noch ein Gedicht fiele mir ein. Aber sobald ich zwei Seiten Hesse lese, bin ich ich wieder ein Suchender, ein Tastender zwischen den Buchstaben, als hätte ich die Bücher nie zur Seite gelegt. Seltsames geschieht mit einem Hesse-Leser!

Und so kehre ich zurück zu Hesse, lese die Morgenlandfahrt und schaue weiter, was es noch zu erkunden gibt. Stoff habe ich, damit komme ich durch den Sommer!

Hesse Morgenlandfahrt

Die Realitäten der Literatur

Foto: Die Realität zwischen den Zeilen

Ist es übertrieben zu sagen, dass die Literatur ganz verschiedene Realitäten hat? ‚Realität‘ meint ja ‚Wirklichkeit‘ – wie kann es also mehr als eine Wirklichkeit geben, also außer der, in der wir leben, noch eine existieren? Und dann noch Literatur – ist sie nicht im wahrsten Sinne des Wortes irreal? Ja und nein: Sie ist irreal in dem Sinne, dass die belletristischen und philosophischen Welten, die Logik in den Gedichten und die Handlungen in den Dramen erfunden, erdichtet und/oder montiert sind. Ein Hans Castorp hat nie einen Fuß auf diesen Planeten gesetzt und das Licht der Mondscheinsonate nie auf uns herab geschienen. Und doch sind sie irgendwie real, vorhanden in unserer Welt, nichtwahr?

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Liebesgedichte

Man könnte meinen, der Sinn und Zweck von Liebesgedichten sei schnell erklärt: Es geht um den Ausdruck einer erfüllten oder unerfüllten Zuneigungsbekundung einem anderen Menschen gegenüber. Das mag in den meisten Fällen so sein (denn manchmal drehen sich Liebesgedichte um die Bedingungen von solchen Zuneigungsbekundungen), aber es verweist eigentlich auf etwas anderes, viel tiefer Liegendes, das diese Liebesgedichte aufwühlen. Es geht um das Transzendente, um das, was von der Metaphysik übriggeblieben ist.

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